Montag, 12. September 2011

Microsoft will mit Windowsphone neuen Markt erobern

Microsoft will Mobilfunk-Segment erobern

Das HTC 7 Trophy ist ein sogenanntes Windowsphone mit zahlreichen Windows-Apps und Internet-Anbindung

Vodafone hatte die Nase vorn bei der Lancierung des ersten Windowsphone. Mit dem eigens für Smartphones programmierten Win 7 ist das HTC 7 Trophy ausgerüstet und reagiert auf sanfte Fingerberührungen. Der Touchscreen des Smartphone ist übersichtlich und groß genug, um ihn zu bedienen. Der einzige Nachteil ist bei manchen Anwendungen aber genau dieser Berührungsempfindlichkeit. Denn, wer Radio über das Windowsphone hört und das Smartphone in die Tasche steckt, verstellt eventuell damit den Sender. Der Klang ist übrigens dank Optimierung mit Dolby, Equalizer und SRS richtig gut. Wer mag, hat eine satte Bass-Verstärkung der Songs. Auch Höhen und Stimmen können über den Equalizer betont werden. Dazu gibt es die Auswahl Blues, Klassisch, Country, Jazz, Latin, New Age, Klavier, Pop, R & B sowie Rock. Die klanglichen Veränderungen sind erstaunlich dezent, ohne massiv Eingriff in die Originalversion zu nehmen. Den Button „Klangoptimierung“ findet der User auf der Startseite neben „360 MyWeb“.
Das Schöne an dem Windowsphone ist die Möglichkeit, gleichzeitig Radio zu hören und im Internet surfen zu können. Allerdings grundsätzlich über die mitgelieferten Kopfhörer, denn die fungieren als Antenne. Ins Internet gelangt der Benutzer über den Internet Explorer auf der Startsite. Wer eine bestimmte Seite sucht, tippt auf die Leiste am oberen Bildrand und gibt über die sich umgehend einblendende Tastatur die URL ein. Wer öfter dieselbe Site aufsucht, kann sich die Eingabe der gesamten URL sparen, denn das Windowsphone merkt sich das. So gut wie der Ton ist meist auch die Bildqualität – mit Ausnahme einiger Filme bei Youtube. Glasklar erscheinen die Videos. Das einzige Problem, das öfter auftaucht, ist der fehlende Flash Player. Selbst ein Klick auf die Adobe-Website bringt nicht immer sofort eine Lösung. Sie ist ab und an nicht verfügbar. Immerhin funktioniert es bei HR-online über den Link zum Flash Player, auf den der User klicken muss, Beiträge wie das Interview mit David Garrett in „hr3-pop &weck“ zu hören der ein Video mit Bärbel Schäfer und dem Stargeiger zu sehen. In erstaunlich brillanter Qualität. Nicht nur live, sondern auch später im Podcast. Wird das Windowsphone auf den Tisch gelegt, verschlechtert sich der Ton. Es ist besser, es in der Hand dabei zu halten. Leider riss die Online-Verbindung ab und zu ab, was eine Verzögerung bedingte.
Die Ladezeiten der Sites sind bei gutem Empfang recht kurz. Aber nicht immer. Bei Youtube gibt es manchmal Schwierigkeiten.
Positiv ist die Tatsache, dass selbst bei hellem Sonnenlicht die Videos klar zu betrachten sind. Leider macht der Akku bald schlapp, wenn im Internet gesurft wird. Das Ladegerät sollte also immer griffbereit in der Nähe sein.
Ein kleines Ärgernis ist der Anmeldezwang, unter dem Youtube-Nutzer stehen. Wo sonst einfach zu Youtube gesurft und Videos geguckt werden können, verlangt das Windowsphone dass man sich mit einer Live-ID vorher anmeldet und die Anwendung, den Videoplayer dann kostenlos herunterladen muss. Zunächst führt ein Link zur Site von Microsoft. Dann wird es kompliziert. Es genügt nämlich nicht, auf „installieren“ zu klicken. Denn jetzt wird die Anmeldung einer Windows Live-ID gefordert. Es heißt ferner: „Die erste Windows Live-ID, die Sie auf Ihrem Handy hinzufügen, wird dazu verwendet, Anwendungen zu erhalten, Spiele zu spielen, einen Zune Pass zu verwenden, Windows Live-Daten automatisch mit dem Internet zu synchronisieren und vieles mehr.“ Das bedeutet, ein wenig transparent zu werden und Werbung und Kontrolle über den eigenen Musikgeschmack zuzulassen. Eine Live-ID ist eine E-Mail-Adresse mit einem Kennwort. Das heißt, eine bestehende oder neue Mail-Adresse bei wie bei Hotmail muss eingegeben werden. Hotmail erreicht man unter http://www.live.com/. Wer sich eine neue Hotmail-Adresse einrichtet, muss sich mit Werbemails einverstanden erklären, das Geburtsdatum angeben und das Einverständnis abgeben, dass Musikwünsche auf einen abgestimmt werden. Erst nach diesem aufwändigen Prozedere kann der Videoplayer heruntergeladen werden. Zunächst erscheint nur eine Spielernummer, doch der Download funktioniert nicht reibungslos, sondern erst nach einer Weile. Zunächst heißt es: „Diese Information steht momentan nicht zur Verfügung.“ Nach etlichen Minuten endlich wird die Anwendung heruntergeladen und Youtube kann benutzt werden. Ein ziemlich mühseliges Unterfangen und leider eine schlechte Bildqualität der Youtube-Videos. Sie sind leicht unscharf.
Die Microsoft-Pressestelle begründet die Anmeldung damit, dass sie das Herzstück des Windowsphone sei, um alle Dienste wie Zune oder die Xbox zu nutzen. Unter dem Button auf der Startseite „Marketplace“ befindet sich aber lediglich Werbung für neue CDs oder für Spiele und Anwendungen, die meist Geld kosten. Lediglich die HTC Apps wie HTC Hub, Fotoverbesserung, Taschenlampe, Liebe, Rechner, aufmerksames Telefon und Verbindungs-Setup sind gratis. Es gibt auch schon Kritiken zu den Apps des aufmerksamen Telefons von Spieler67561838: „Prinzipiell nicht schlecht…wenn die App kein Eigenleben hätte. Taschenmodus deaktiviert sich selbständig.“ Gute Bewertung bekommt die Fotoverbesserung.
Mit an Bord des Windowsphone ist eine Kamera mit einer Auflösung von 2592 x 1944 und fünf Megapixel. Der Messmodus kann wahlweise mittenbetont, als Spot-Messung oder mit Mittelwert eingestellt werden. Auch Effekte wie Solarisieren, Graustufen, Negativ und Sepia bieten gestalterische Möglichkeiten. Unter Szenen gibt es Sport, Strand, Hintergrundbeleuchtung, Kerzenlicht und Macro zur Auswahl. Der Clou aber ist ein eingebauter – sehr heller – Blitz. Wer lieber Filme aufnehmen möchte, kann das mit dem Camcorder und einer Auflösung von 320 x 240, 640 x 480 oder 1280 x 710. Eine Flimmer-Anpassung gibt es mit 50 Hz, 60 Hz und als Automatik. Gefilmt werden kann mit Blitzlicht. Die Filme sind unter „Musik & Videos“ auf der Startseite abzurufen. Die Fotos können direkt vom Windowsphone per Mail-Client oder MMS als Attachment angehängt und versendet werden, die Videos nicht. Dazu ist der Anschluss an einen PC notwändig.
Richtig verspielt, ist der Modus „Notizen“ auf der Startseite. Abgebildet ist eine Pinnwand aus Kork, auf die gelbe Post-it-Zettel virtuell geheftet werden. Der Text, der über die Tastatur eingegeben wird, erscheint in einer gut lesbaren Handschrift mit Datum und Uhrzeit. Diese Zettel können problemlos wieder gelöscht werden.
Texte werden grundsätzlich mit den Fingern, die auf dem Touchscreen auseinandergezogen werden, vergrößert. Das ist einfacher und geht schneller, als das Tippen auf Plus oder Minus.
Die Klingeltöne sind sehr spacig, sie klingen fast alles wie von einem Synthesizer. Diese spezielle Windows 7-Version  wurde extra für das Windowsphone programmiert. Das Smartphone von Microsoft wird von HTC, LG, Samsung und international von Dell und Sony Ericsson angeboten. Dabei liegt die Preisgestaltung nach Aussagen der Microsoft-Pressestelle bei den jeweiligen Anbietern. In Österreich käme es sehr gut an und wird von A1 vertrieben. In Deutschland von Vodafone. Alles in allem ein interessantes Produkt für Windows-Anwendungen im spielerischen Bereich für Fun und Freizeit mit kleinen Schwächen.
© Corinna S. Heyn